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TLH Heliskiing

Realisierung eines Lebenstraumes! Heliskiing in B.C., Tyax Wilderness Resort http://www.tlhheliskiing.com
Ein Reisebericht von Gerlinde Radacher

Solange ich denken kann, ließ sich mein Vater regelmäßig Prospekte von Heliskiing Anbietern zusenden. Schon als Kind habe ich diese – nie schlecht gemachten – Hochglanzbroschüren verschlungen und wußte, irgendwann werde ich selbst erleben, wie sich richtiger Powder anspürt.

Es war soweit! Ein aussergewöhnlicher Zustand war eingetreten: Ich hatte Zeit UND Geld!

Nach langen Recherchen im Internet, bin ich durch einen Hinweis von Ruefa-Reisen bei X-dream holidays gelandet. An sich wollte ich – wie fast jeder österreichische Schifahrer - bei Mike Wiegele buchen. Nach einem Telefongespräch mit Hans-Jörg Franz, war mir schnell klar, dass Wiegele der falsche Anbieter für meine Bedürfnisse sein könnte. Die Aussage: „Willst Schi fahren oder beim „Stanglwirt“ wohnen?“ hat mich sofort überzeugt, einen Blick auf die Homepage von TLH-Heliskiing (Tyax-Lodge) zu wagen und in der Folge möglichst rasch über Ruefa zu buchen.

Abflug (18.3.) von Wien über Frankfurt nach Vancouver.

Beim Flug habe ich eine Schigruppe aus Kärnten kennen gelernt. Die Herren werden zu Wiegele fahren und am selben Tag, wie ich, auch wieder zurückfliegen.
Eine Nacht im phantastischen Pan Pacific-Hotel! Direkt am Wasser gelegen, mit einem eigenen Landeplatz auch für jenen Helikopter, der einen direkt nach (und von) Tyax bringen kann. Ich habe mich bei der Buchung in Österreich aus Kostengründen entschlossen, mit dem Bus die 6 Stunden Fahrzeit zur Lodge zu absolvieren. Dies war insofern sehr interessant, weil ich dadurch auch etwas von Canada (kleines Goldgräberstädchen „Lillioot“, Lachsfischerei etc.) gesehen habe. Witziges Detail: Offensichtlich haben alle anderen Heliskiingkollegen den Hubschrauber genommen, weil ich ganz allein in einem riesigen Autobus chauffiert wurde. But, why not? Strechlimos sind eh schon lange out!

Ankunft Tyax Mountain Lake Resort am 19.3. gegen 16.00 Uhr.

Sehr schön gelegenes Hotel, einstöckig, mit Blick auf einen riesigen See. An sich wurde ein Mehr-Bett-Zimmer gebucht. Ich habe aber Glück, weil mir (durch die Absage einer Reisegruppe) letztendlich ein 3-Bett-Zimmer alleine zur Verfügung steht.

Abends heimliche Besichtigung des Helilandeplatzes, der 3 Minuten zu Fuss vom Hotel entfernt liegt. Es stehen dort 2 grosse, dicke Bell, glaube eine 212er und auf einem separaten Platz zwei A 1. Schauen sehr gepflegt aus.
Nach dem Dinner gibt’s eine Einführung über die geplanten Aktivitäten, samt Unterschrift, dass man in jedem Fall immer selber schuld ist, wenn was passiert. Die erste lose Einteilung der Gruppe für morgen, dem ersten Flugtag, wird vorgenommen. Wir sind nur 11 Leute auf einem Helikopter! Juchhuuu!

1.Tag: 20.3.
Wieder Glück! In der Nacht hat es geschneit und die Guides rennen mit einem glückseligen Grinsen beim Frühstück herum. Wir sollten bald wissen, warum! Vorher jedoch noch Lawinenübung – Piepserl, Schaufel und Sonde wird zur Verfügung gestellt!
Ehrlich, als ich aus dem Heli das erste Mal rausgekraxelt bin, hab ich den Hang runter geschaut und mir gedacht: „Nett, schaut wirklich sehr nett aus“. Also, Schi an, Stöcke an und ab geht’s! Uuuuund... es geht ganz, ganz leicht. Was ist das??? Ich höre nur ein Surren. Bei jedem Schwung surrt es wie verrückt. Hey, das ist er, der Champagne Powder!!!!!!! We are lucky!

An diesem ersten Tag fahren wir gleich mal 33.100 vertical feet = 10.089 hm! Und ich habe gelernt, dass auch Männer aus Andalusien jodeln können…
Kleine, feine Überraschung, nach unserer Heimkehr um 17.00! Man hat Austern und Champagner kredenzt…eben, wegen dem besonderen Powder.  

2.Tag: 21.3.
Der Jetlag macht mir zu schaffen... relativ matsch beim Frühstück, wo aber dank des hinreissenden australischen Piloten und unserem Marc (Guide) der Schmäh schon wieder voll am Laufen ist. Es ist eine gewisse Hektik zu spüren, weil wir alle noch ein bisschen Champagne Powder naschen wollen und somit sind wir bereits um 8.30 Uhr im Bell. Den ganz Vormittag bis ca. 12.30 Uhr noch Champagne Powder.

Wir haben traumhaft schöne Rides mit so netten Namen wie Cougar, Sara’s Playground, Sweet Sue. Nach dem Lunch (eine Edeljause, mit warmer Suppe und Kaffee) wird der Schnee so, wie wir es in Österreich kennen, wenn ein geiler Tiefschnee liegt! Resultat: 8.170 hm! Ich lege mich auf ein Stündchen ins Bett, dann zur Massage, ein Hüpfer in den Whirlpool (wo die Männerwelt schon mit einem Gläschen wartet) und dann ab zum Buffet. Bettruhe 20.30!!

3. Tag: 22.3.
Man hat mir mein Team gestohlen!!! Cliff, der Leiter der Lodge, hat mich gebeten, weil ich das „Leichtgewicht“ unter den Mannen bin, jetzt da zwei Gruppen fliegen und es draussen sehr warm ist (Thermik!) mit den Amerikanern mitzufahren. OK. Schweren Herzens verlasse ich meine Spanier.
Gag am Rande: Ein Amerikaner ist am Vorabend zu mir gekommen und hat sich vorgestellt und gemeint, dass er sich freut, mit mir zu fliegen (so sind sie halt...)! Nebenbei hat er einen Satz fallen lassen (mit Blick auf einen Spanier): „Tja, da hat er auch Chancen mitzukommen, wenn eine Frau an Bord ist...“ Hätte er nicht tun sollen... die Spanier haben gebrüllt vor Lachen und ihm mitgeteilt, dass er sich warm anziehen soll, weil ich die österreichische Schischule bestens repräsentiere. War doch nett, oder?

Ebenfalls an Board ein Kameramann, der ausser hervorragend Tiefschneefahren, noch hinreissende Bilder (die wir als DVD kaufen konnten) geschossen hat. Dies war für ihn nicht so einfach, weil wir (zu diesem Zeitpunkt) echt kein Interesse an Fotos hatten, sondern powdern wollten – kein Mensch hat auf ihn Rücksicht genommen, er musste einfach schneller sein als wir!

Wir sind wieder ein neues Gebiet geflogen (Snowboarders Heaven, Hercules, Eric the red etc.) und es war herrlich! 7.620 hm! Ein Teil dieser Bilder steht im Internet und der Videoteil wird auch für die neue Rossignol-Werbung verwendet. 

4.Tag: 23.3.
In der Nacht wahnsinnig viel Schnee. Bin um 21.00 Uhr noch „Wetter schauen“ gewesen und ich hätte meine Hand ins Feuer gelegt, dass am nächsten Tag die Sonne scheint! Sternenklar! Nicht so in Canada.
Das Wetter wechselt komplett innerhalb weniger Stunden! Schneefall am Morgen. Wir sind wieder zwei Gruppen gewesen, ich wieder bei den Amis, jedoch nur 7 Mann hoch. Riesendiskussion der Herren, ob Sex oder Heliskiing besser sei... Resultat: Eindeutig Heliskiing, weil man(n)’s öfter tun kann! Diesmal wurde meine Gruppe von zwei Guides begleitet, da man wegen der Lawinen schon ein wenig aufpassen musste. Doch Respekt, die Knaben kennen sich wirklich aus und scheuen sich nicht davor, wenn sie nicht ganz, ganz sicher sind, den Heli umdrehen zu lassen und einen anderen Hang anzufliegen. Gut so!

Schön langsam mach ich mir Gedanken über mein Package von 100.000 ft... wenn noch einmal Champagne Powder kommen sollte, wird es echt teuer für mich! Aber, eine sehr nette Einladung von Charlie Brown (!) nach Neuseeland erhalten!!
War ein gemütlicher Tag, wir sind auch viel im Wald gefahren. 3.658 hm

5.Tag: 24.3.
Jetlag scheint – dank Rotwein am Vorabend mit dem Team – bestens überwunden! Dafür macht sich die letzte Kreuzbandoperation bemerkbar. Bin wieder mit meinem „alten“ Team! Habe mit Cliff geredet und ihm mitgeteilt, dass ich meinen Teil nun dazu beigetragen habe und wieder mit Spanien fliegen will. Hat er verstanden. Wetter sehr wechselhaft, es schneit immer wieder. Riesenspass, weil die Spanier nun keine Kavaliere mehr sind und ich mir meinen ersten Platz (da noch komplett unverspurt) wie jeder erkämpfen muss. Dies bedeutet, aus dem Heli springen, zu den Schi rasen, razzfazz Schuhe abputzen, anziehen, abzischen! Kurzer Tag: 2.134 hm

6. Tag: 25.3.
Bin nun schon über meinen 100.000 ft-Package. Das Knie ist bedient, der Schleimbeutel beleidigt. Tja, Gott sei Dank ist das Wetter auch nur zum Waldfahren geeignet. Das Mädel gönnt sich den Ruhetag, weil ich alles gehabt habe, was ich wollte.

Sauna, Whirlpool, Massage, Buch vor offenem Kamin, Rezepteaustausch mit der Köchin, Videofachsimpelei beim Schneiden der Bilder vom 3. Tag mit dem Kameramann. Tag war entspannend!

7. Tag: 26.3.
Der letzte Vormittag! Wunderschönes Wetter, jeden Schwung genossen.

Stimmung im ganzen Team leicht melancholisch – tja, Spanier sind so... aber trotzdem jede Menge Spass. Nochmals 2.600 hm als Abschied von British Columbia. Traumhaft – trotz Knieweh!


Zu Mittag wieder in der Lodge, essen, einpacken und um 15.00 Uhr geht der Heli nach Vancouver. Diesmal bin ich nicht mehr mit dem Bus gefahren, sondern habe direkt vor Ort den Retourflug (Zwischenlandung in Whistler, Dauer 1 Stunde bis Vancouver) mit dem Heli gebucht (ca. 140 Euro). Sehr herzlicher Abschied von allen Mitarbeitern in der Lodge! Ich habe sie alle wirklich ins Herz geschlossen, weil dort jeder dem Schifahren sehr verbunden ist und ausserdem konsequent den „easy way of Life“ verfolgt. Hatte nie den Eindruck, dass dies nur aufgesetzt ist – die leben das wirklich!

Nachmittags Ankunft in Vancouver – Abschied von meinen spanischen Freunden, weil ich leider in einem anderen – aber sehr schönen – Hotel (Fairmont Airport Hotel) untergebracht bin. Riesenvorteil: Ich brauche das Gebäude nicht mehr verlassen und habe direkt mit dem Portier am Flughafenschalter eingecheckt! 

Am Abend meine Kärntner Bekanntschaften vom Hinflug wieder getroffen und zum Essen gegangen. Der „stärkste“ Fahrer konnte dort 15.000 hm absolvieren. Bei mir waren es über 33.000 hm... 

Diese Tatsache hat alle (außer mich) etwas traurig gemacht. Der Grund dafür war, dass IMMER mit drei Gruppen pro Heli geflogen wurde, manchmal auch mit vier!!! So gesehen, bringt es überhaupt nichts, unlimitierte Höhenmeter zur Verfügung zu haben, weil man einfach nicht zum Fahren kommt.

Einer der Herren hat mir gestanden, dass er am ersten Schitag (eben wo der Wahnsinnsschnee war... ) schon die Tränen in den Augen gehabt hat, als er über eine Stunde auf den Helikopter warten musste. Natürlich muss dann auch öfter getankt werden... Ebenso ist bei Wiegele die tägliche Anreise zum Heli und dann auch zum Schigebiet problematisch. Zuerst mit dem Bus ca. 30 Minuten, dann mit dem Heli im besten Fall wieder 45 Minuten. Täglich! Immer hin- und retour!!!
Bei Tyax Mountain ist das weitaus besser: Raus aus der Lodge, 3 Minuten zu Fuß zum Heli, dort warten schon die frisch präparierten Schier, Abflug zum Schigebiet (längstens 20 Minuten, eher kürzer) und fahren, fahren, fahren...

Ankunft in Wien am 28.3. um 14.00 – mit dickem Knie, aber sehr glücklich!!! 


Zusammenfassend will ich festhalten, dass der Trip genauso war, wie ich ihn mir erträumt hatte! Es ist einfach wichtig für mich, dass wirklich Schi gefahren wird.

Es war auch berührend zu sehen, wie sich die Guides nicht zu schade sind, die Koffer bei der Ankunft auf die Zimmer zu schleppen. Die sind halt ein Team!
Auch interessant, dass die Stubenmädels, Masseurinnen etc. immer mitgeflogen sind, wenn ein Platz im Helikopter frei war! (Was ich sehr gut verstehen kann…wollte mich schon als Stubenmädel bewerben.)

Ich hatte nie den Eindruck „ausgenommen“ zu werden. In der Lodge befindet sich eine kleine, feine Skiboutique... sehr gefährlich... die besten aller Heliskihandschuhe für die halbe Familie sind in meinem Reisegepäck gelandet.

Zum Thema Essen: Traum! Viele Meeresfrüchte, Vegetarier willkommen! Am Vorabend sitzt immer die Köchin mit am Tisch und fragt lose in der Runde herum: „Was soll ich morgen kochen?“ Vorschläge sind willkommen und werden auch umgesetzt!

Am riesigen, zugefrorenen See vor der Lodge wird gefischt. Zwischendurch kommen die Guides und versuchen mit den Schiern Kite zu surfen!! Von der Terrasse hört man den Kollegen (der an sich in der teuren „Private Tours“ beheimatet ist = kleiner Helikopter mit nur 4 Personen) auf der Gitarre spielen. Wieder andere schnappen sich ein Skidoo und gasen über den See.

Das Nachtleben findet nicht statt – abgesehen von der Tatsache, dass wir Jetlag geplagten Europäer schon laut darüber nachgedacht haben, um 4.00 morgens eine Tarockrunde ins Leben zu rufen! Abends gegen 21.00h liegen alle fix und fertig in den Betten und träumen vom nächsten RUN!
Zum Abschluß noch ein Originalzitat von Martin Wittig (Deutsch-Amerikaner, x-mal weltweit schon Heliskiing gewesen), das er mir am ersten Tag mit auf den Weg gegeben hat: „Heliskiing ist wie Porsche fahren, wenn du’s einmal gemacht hast, willst du kein anderes Auto mehr haben...“ 

I think, he’s right...!  

Liebe Grüsse, Gerlinde